Inzwischen
bin ich ja nun schon eine ganze Zeit hier, genau genommen sind es jetzt 58
Tage.
Um in den
Emiraten ein normales Leben führen zu können, also auch mit einem Auto fahren
zu dürfen, benötigt man als Inhaber eines Residental Visums einen nationalen
Führerschein.
Gestern war
es dann endlich soweit, ich konnte nach einem nahezu unfassbaren bürokratischen
Aufwand meine UAE Driving License in Empfang nehmen. Aber der Reihe nach…
Um einen
Führerschein beantragen zu können benötigt man eine Bescheinigung seines
Arbeitgebers darüber, dass man auch wirklich hier arbeitet. Diesen sogenannten
Company Letter zu bekommen war noch vergleichsweise einfach. Ich brauchte nur
unseren Koordinator ansprechen, der Letter wurde gedruckt und musste dann noch
von jemandem aus der Operation Section, also einem hochrangigen Local,
unterschrieben werden. Das alles dauerte etwa eine dreiviertel Stunde.
Da es in den
Vorinformationen hieß, ein internationaler Führerschein sei von Vorteil, hatte
ich mir einen solchen noch in Deutschland besorgt. Also hin zum Traffic
Department, ins nächste Büro gestiefelt und praktisch gleich wieder raus – ich
brauchte eine Übersetzung des internationalen Führerscheins, so der Captain,
dessen Büro wir gerade nach teils freundlicher, teils etwas abweisender
Aufforderung betreten hatten.
Wir, das
sind ein Kollege, der mich in dieser Zeit begleitete, und ich. An dieser Stelle
noch mal vielen Dank für die Unterstützung jeder Art!
Direkt im
Anschluss sind wir zum Übersetzer gefahren, der konnte die Übersetzung aber
erst am Abend fertig machen. Damit hatte sich dann ein erneuter Besuch im
Traffic Department noch am gleichen Tag erledigt.
Am nächsten
Tag standen wir dann wieder im Büro eines Captains und ich legte ihm meine
Unterlagen vor. Interessant war die Reaktion auf den Company Letter. Dieser
besagt nämlich etwas in der Art, dass ich für Abu Dhabi Police arbeite. Leider
kann ich noch kein arabisch, also muss ich da spekulieren. Jedenfalls wandelte
sich die bisher eher abweisende Haltung des Offiziers nach lesen des Company
Letters in Freundlichkeit und er bezeichnete uns als Kollegen. So etwas kann in
diesem Land extrem hilfreich sein! Leider war ich immer noch nicht am Ziel, ich
hatte nämlich mein Residental Visum noch nicht! Also wieder nichts…
Das Visum
und damit meinen Pass bekam ich dann wenige Tage später wieder aus Abu Dhabi
zurück, der nächste Besuch im Traffic Department konnte kommen.
Hier lief
dann auch alles bestens. An den Schalter, den Internationalen Führerschein samt
Übersetzung, den Pass mit dem Visum und den Antrag für die ID-Card vorgelegt.
Danach bekam ich einen Laufzettel, musste zum Medical Check (ja, schon wieder,
war aber nur ein flüchtiger Sehtest und die Abfrage der Blutgruppe) und in ein anderes
Gebäude, um Fingerabdrücke abzugeben.
Mit allem
wieder zurück zum Schalter, wieder alle Unterlagen vorgelegt. Nachdem der
Beamte die Papiere durchgesehen hatte fragte er mich dann, wo denn die Nummer
des deutschen Führerscheins in der Übersetzung steht. Steht sie nicht, ist ja
die Übersetzung des Internationalen Führerscheins, der hat eine eigene Nummer.
Um hier nicht zu ausschweifend zu werden: wir mussten zum Manager des Traffic
Departments. Wenn er die Übersetzung so unterschreibt könnte ich meinen
Führerschein sofort bekommen.
Nach kurzer
Diskussion mit dem Manager wurden wir dann wieder verbschiedet, allerdings mit
dem Hinweis, dass ich doch bitte eine Übersetzung des deutschen Führerscheins
mitbringen möchte.
Und nu? In
Fujairah gibt es niemanden, der einen deutschen Führerschein übersetzen kann…
Bei der
Suche nach einem Übersetzer kam uns sofort die Idee, uns beim Konsulat in Dubai
zu erkundigen, die machen aber um 11 Uhr (!) zu, es war aber schon kurz nach
11. Also die Botschaft in Abu Dhabi angerufen (die hat immerhin bis 12 Uhr
geöffnet). Von dort bekam ich dann gesagt, dass das Konsulat die Übersetzungen
machen könne.
So sind wir
dann am nächsten Tag nach Dubai gefahren, geplant war unsere Ankunft im Konsulat
für etwa 9 Uhr, was auch ganz gut geklappt hat. Da hat man mir dann freundlich
mitgeteilt, dass das Konsulat keine Übersetzungen macht. Ich bekam eine Liste
mit vereidigten Übersetzern, immerhin…
Die zweite
Übersetzerin auf der Liste sagte mir am Telefon dann auch zu, die Übersetzung
am selben Tag zu machen, wir müssten nur zu ihr fahren, das war direkt an der
Mall oft he Emirates, praktisch einmal durch die Stadt. Und das ist in Dubai
ein langer Weg!! Wir fanden dann nach einigen Anrufen zur Orientierung und
Leitung die entsprechende Wohnung und konnten insgesamt 3 Führerscheine
übersetzen lassen (wir hatten die Führerscheine zweier neuen Kollegen
mitgenommen).
So weit, so
gut. Nur langsam wurde die Zeit knapp, das Konsulat hat ja so großzügige
Öffnungszeiten. Also habe ich um kurz vor 11 Uhr noch mal im Konsulat angerufen
und konnte der Dame die Zusage abringen mich noch zu empfangen, wenn ich bis
halb 12 im Konsulat bin.
Irgendwie
haben wir es dann hinbekommen, inklusive Fußweg zur Mall und Autofahrt durch
die Stadt, mich rechtzeitig auf der Kreuzung vor dem Gebäude anzukommen. Um
kurz nach 12 Uhr hatte ich dann die Beglaubigung der Übersetzungen vom
Konsulat.
Am nächsten
freien Tag sind wir dann direkt vom Dienst aus wieder zum Traffic Department
gefahren.
Wieder sind
wir an den Schalter, wieder alle Unterlagen vorgelegt… Und wieder hatte der
Beamte am Schalter was auszusetzen. Er wollte eine Lizenz unserer Firma haben!?
Wir sollten doch bitte die Firma anrufen und diese Lizenz faxen lassen. Dazu
sei bemerkt, dass unsere Firma für die Polizei von Abu Dhabi arbeitet (zu der
auch der Beamte gehörte) und als Sponsor für die Visa auftritt! Es wirkte ein
wenig wie Schikane…
Um auch
dieses Problem zu lösen habe ich direkt unseren CEO auf dem Handy angerufen und
ihm mein Problem geschildert, das Kopfschütteln konnte ich durch das Telefon
hören! Ich hätte die Lizenz bekommen, war aber zum Glück dann doch nicht mehr
nötig.
Ich konnte
dann also glücklich mit einem UAE-Führerschein aus dem Traffic Department
spazieren.
Fazit: Nicht
nur wir deutschen sind gut in Bürokratie, hier sind die mindestens genauso gut.
Jemand hat das mal als Bürokratie 2.0 bezeichnet und ich verstehe ihn jetzt.
Hier mal
eine kleine Abrechnung:
Übersetzung
intern. Führerschein: 100 Dirham
Übersetzung
deutscher Führerschein: 150 DirhamBeglaubigung durch das Konsulat: 95 Dirham
Gebühren Traffic Department: 360 Dirham
Der
Wechselkurs liegt zur Zeit bei 1€ = 4,83AED, damit ist dieser Führerschein das
teuerste Dokument, das ich je hab machen lassen!
Aber egal, Hauptsache
geschafft und ich darf jetzt in den Emiraten PKW und LKW fahren.
Bis zum
nächsten Mal, schöne Grüße aus einem sehr interessanten Land…
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