27.01.2012

Eine (fast) unendliche Geschichte


Inzwischen bin ich ja nun schon eine ganze Zeit hier, genau genommen sind es jetzt 58 Tage.

Um in den Emiraten ein normales Leben führen zu können, also auch mit einem Auto fahren zu dürfen, benötigt man als Inhaber eines Residental Visums einen nationalen Führerschein.

Gestern war es dann endlich soweit, ich konnte nach einem nahezu unfassbaren bürokratischen Aufwand meine UAE Driving License in Empfang nehmen. Aber der Reihe nach…

Um einen Führerschein beantragen zu können benötigt man eine Bescheinigung seines Arbeitgebers darüber, dass man auch wirklich hier arbeitet. Diesen sogenannten Company Letter zu bekommen war noch vergleichsweise einfach. Ich brauchte nur unseren Koordinator ansprechen, der Letter wurde gedruckt und musste dann noch von jemandem aus der Operation Section, also einem hochrangigen Local, unterschrieben werden. Das alles dauerte etwa eine dreiviertel Stunde.

Da es in den Vorinformationen hieß, ein internationaler Führerschein sei von Vorteil, hatte ich mir einen solchen noch in Deutschland besorgt. Also hin zum Traffic Department, ins nächste Büro gestiefelt und praktisch gleich wieder raus – ich brauchte eine Übersetzung des internationalen Führerscheins, so der Captain, dessen Büro wir gerade nach teils freundlicher, teils etwas abweisender Aufforderung betreten hatten.

Wir, das sind ein Kollege, der mich in dieser Zeit begleitete, und ich. An dieser Stelle noch mal vielen Dank für die Unterstützung jeder Art!

Direkt im Anschluss sind wir zum Übersetzer gefahren, der konnte die Übersetzung aber erst am Abend fertig machen. Damit hatte sich dann ein erneuter Besuch im Traffic Department noch am gleichen Tag erledigt.

Am nächsten Tag standen wir dann wieder im Büro eines Captains und ich legte ihm meine Unterlagen vor. Interessant war die Reaktion auf den Company Letter. Dieser besagt nämlich etwas in der Art, dass ich für Abu Dhabi Police arbeite. Leider kann ich noch kein arabisch, also muss ich da spekulieren. Jedenfalls wandelte sich die bisher eher abweisende Haltung des Offiziers nach lesen des Company Letters in Freundlichkeit und er bezeichnete uns als Kollegen. So etwas kann in diesem Land extrem hilfreich sein! Leider war ich immer noch nicht am Ziel, ich hatte nämlich mein Residental Visum noch nicht! Also wieder nichts…

Das Visum und damit meinen Pass bekam ich dann wenige Tage später wieder aus Abu Dhabi zurück, der nächste Besuch im Traffic Department konnte kommen.

Hier lief dann auch alles bestens. An den Schalter, den Internationalen Führerschein samt Übersetzung, den Pass mit dem Visum und den Antrag für die ID-Card vorgelegt. Danach bekam ich einen Laufzettel, musste zum Medical Check (ja, schon wieder, war aber nur ein flüchtiger Sehtest und die Abfrage der Blutgruppe) und in ein anderes Gebäude, um Fingerabdrücke abzugeben.

Mit allem wieder zurück zum Schalter, wieder alle Unterlagen vorgelegt. Nachdem der Beamte die Papiere durchgesehen hatte fragte er mich dann, wo denn die Nummer des deutschen Führerscheins in der Übersetzung steht. Steht sie nicht, ist ja die Übersetzung des Internationalen Führerscheins, der hat eine eigene Nummer. Um hier nicht zu ausschweifend zu werden: wir mussten zum Manager des Traffic Departments. Wenn er die Übersetzung so unterschreibt könnte ich meinen Führerschein sofort bekommen.

Nach kurzer Diskussion mit dem Manager wurden wir dann wieder verbschiedet, allerdings mit dem Hinweis, dass ich doch bitte eine Übersetzung des deutschen Führerscheins mitbringen möchte.

Und nu? In Fujairah gibt es niemanden, der einen deutschen Führerschein übersetzen kann…

Bei der Suche nach einem Übersetzer kam uns sofort die Idee, uns beim Konsulat in Dubai zu erkundigen, die machen aber um 11 Uhr (!) zu, es war aber schon kurz nach 11. Also die Botschaft in Abu Dhabi angerufen (die hat immerhin bis 12 Uhr geöffnet). Von dort bekam ich dann gesagt, dass das Konsulat die Übersetzungen machen könne.

So sind wir dann am nächsten Tag nach Dubai gefahren, geplant war unsere Ankunft im Konsulat für etwa 9 Uhr, was auch ganz gut geklappt hat. Da hat man mir dann freundlich mitgeteilt, dass das Konsulat keine Übersetzungen macht. Ich bekam eine Liste mit vereidigten Übersetzern, immerhin…

Die zweite Übersetzerin auf der Liste sagte mir am Telefon dann auch zu, die Übersetzung am selben Tag zu machen, wir müssten nur zu ihr fahren, das war direkt an der Mall oft he Emirates, praktisch einmal durch die Stadt. Und das ist in Dubai ein langer Weg!! Wir fanden dann nach einigen Anrufen zur Orientierung und Leitung die entsprechende Wohnung und konnten insgesamt 3 Führerscheine übersetzen lassen (wir hatten die Führerscheine zweier neuen Kollegen mitgenommen).

So weit, so gut. Nur langsam wurde die Zeit knapp, das Konsulat hat ja so großzügige Öffnungszeiten. Also habe ich um kurz vor 11 Uhr noch mal im Konsulat angerufen und konnte der Dame die Zusage abringen mich noch zu empfangen, wenn ich bis halb 12 im Konsulat bin.

Irgendwie haben wir es dann hinbekommen, inklusive Fußweg zur Mall und Autofahrt durch die Stadt, mich rechtzeitig auf der Kreuzung vor dem Gebäude anzukommen. Um kurz nach 12 Uhr hatte ich dann die Beglaubigung der Übersetzungen vom Konsulat.

Am nächsten freien Tag sind wir dann direkt vom Dienst aus wieder zum Traffic Department gefahren.

Wieder sind wir an den Schalter, wieder alle Unterlagen vorgelegt… Und wieder hatte der Beamte am Schalter was auszusetzen. Er wollte eine Lizenz unserer Firma haben!? Wir sollten doch bitte die Firma anrufen und diese Lizenz faxen lassen. Dazu sei bemerkt, dass unsere Firma für die Polizei von Abu Dhabi arbeitet (zu der auch der Beamte gehörte) und als Sponsor für die Visa auftritt! Es wirkte ein wenig wie Schikane…

Um auch dieses Problem zu lösen habe ich direkt unseren CEO auf dem Handy angerufen und ihm mein Problem geschildert, das Kopfschütteln konnte ich durch das Telefon hören! Ich hätte die Lizenz bekommen, war aber zum Glück dann doch nicht mehr nötig.

Ich konnte dann also glücklich mit einem UAE-Führerschein aus dem Traffic Department spazieren.

Fazit: Nicht nur wir deutschen sind gut in Bürokratie, hier sind die mindestens genauso gut. Jemand hat das mal als Bürokratie 2.0 bezeichnet und ich verstehe ihn jetzt.

Hier mal eine kleine Abrechnung:

Übersetzung intern. Führerschein:   100 Dirham
Übersetzung deutscher Führerschein:   150 Dirham
Beglaubigung durch das  Konsulat:   95 Dirham
Gebühren Traffic Department:   360 Dirham

Der Wechselkurs liegt zur Zeit bei 1€ = 4,83AED, damit ist dieser Führerschein das teuerste Dokument, das ich je hab machen lassen!

Aber egal, Hauptsache geschafft und ich darf jetzt in den Emiraten PKW und LKW fahren.


Bis zum nächsten Mal, schöne Grüße aus einem sehr interessanten Land…

04.01.2012

Murphys Law...


Es hat sich wieder einiges ereignet… leider nicht nur Angenehmes.

Gestern haben wir einen Kollegen unserer Schicht und seine Freundin nach Dubai zum Flughafen gebracht, er hat seine Zeit hier beendet und also war Abschied nehmen angesagt.

Da die beiden mit umfangreichem Gepäck reisten und noch zwei Kollegen aus einer anderen Schicht mitfahren wollten sind wir mit zwei Autos gefahren. Die beiden haben mit ihrem Fahrer dann noch einen Halt an der Post in Fujairah eingelegt, wir sind zu dritt schon losgefahren.

Die Strecke nach Dubai ist seit der Eröffnung eines neuen Highways nicht nur kürzer, sondern auch optisch recht ansprechend geworden. Etwa eine halbe Stunde vor Dubai geschah dann etwas, was uns wohl noch einige Tage beschäftigen wird.

Auf der Straße war eine Gruppe Rennradfahrer unterwegs, nach hinten durch einen Geländewagen mit Anhänger und einen Kleinbus abgesichert. Ich war in dem Moment mit irgendetwas anderem beschäftigt, auf jeden Fall hatte ich gerade nicht auf die Straße geachtet, als ich das „oh“ vom Fahrer hörte, er voll in die Eisen stieg und ich beim Blick nach vorne nur noch einen sich wild überschlagenden Geländewagen sah. Der hatte Sekundenbruchteile zuvor den Kleinbus der Radfahrer mit sehr hoher Geschwindigkeit hinten rechts getroffen und bis zur Hinterachse zusammengeschoben. Der Kontakt ereignete sich auf der rechten Spur, beide Fahrzeuge befanden sich am Ende an der Mittelabsperrung im Sand, der Kleinbus auf allen Vieren, der Geländewagen auf dem Dach.



Ab jetzt lief ziemlich alles automatisch ab, wir waren praktisch wieder mitten in einem Einsatz. Der Fahrer des Geländewagens kletterte selbständig aus seinem Wrack und wurde, verwirrt und geschockt, von einem Kollegen betreut. Wie ich später erfuhr sprach er kein Wort Englisch, also eine wirkliche Herausforderung. Der andere Kollege hatte schon sein Handy in der Hand, Notruf absetzen. Weiter: Blick in das Wrack, ob sich noch jemand in dem Fahrzeug befindet – negativ. Aber: der Beifahrer wurde aus dem Fahrzeug geschleudert und lag ernsthaft verletzt auf der anderen Seite der Mittelabsperrung, beinahe auf der Gegenfahrbahn. Irgendwoher der Ruf, dass mehrere Ambulances kommen, gut, Hilfe ist unterwegs. Der Mann zu meinen Füßen hat starke Schmerzen, zum Glück taucht nach einiger Zeit ein Arzt auf, dem ich den Patienten übergeben kann. Trotzdem bleibe ich noch bei ihm.

Währenddessen befreien hilfsbereite Passanten zusammen mit den Kollegen zwei eingeklemmte Passagiere aus den hinteren Reihen des Kleinbusses, die durch die Wucht des Aufpralls mächtig zusammengeschoben worden sind.

Die inzwischen Anwesenden Polizisten machen einen eher hilflosen Eindruck und wirken sehr glücklich darüber, dass da ein paar Ausländer sind, die sich tatkräftig um die Verletzten kümmern.

Als dann endlich die erste Ambulance eintrifft (wie so oft in solchen Fällen nach einer gefühlten Ewigkeit) ist das leider noch keine Garantie dafür, dass es dem Patienten dann auch wirklich besser geht. Zum Glück hat der Arzt das Kommando übernommen, die Fahrer der Ambulances sind hier bessere Möbelpacker – und so werden leider auch die Patienten behandelt. Kurzum, das Einladen in das Auto endete damit, dass er sehr unsanft abgelegt wurde und daraufhin an der gesamten Unfallstelle zu hören war. Ich hoffe inständig, dass ich diesen „Rettungsdienst“ NIE in Anspruch nehmen muss.

Als dann alles so weit abgearbeitet war konnten wir endlich weiterfahren, es war jedoch recht still im Auto. Die Kollegen hatten inzwischen die Unfallstelle passiert und waren schon weiter nach Dubai gefahren, hatten eben den Flughafen erreicht, nach einer halben Stunde waren wir dann ebenfalls da.

Nachdem dann endlich alle Hindernisse beim Check-In überwunden waren (die Maschine war überbucht) verabschiedeten wir uns von den beiden. Danach fuhr ich mit einem Kollegen weiter zur Dubai Mall, direkt am Burj Khalifa. Er kennt sich hier schon ein wenig aus und kann mir so wertvolle Tipps zum Beispiel für unser Mittagessen geben. Lecker Steak mit Blick auf den Burj Khalifa bei bestem Wetter und 26° im Schatten… was will man mehr.



Nach einer ausgiebigen Shoppingtour in der Dubai Mall entschlossen wir uns den Abend im Hardrock Cafe Dubai zu verbringen. Und was für ein Abend!! Der Rockshop wurde von einigen Textilien befreit und danach ging es ins Cafe, in kürze sollte eine Band auftreten.

Zum Glück hatte ich meine All Acces Karte dabei, die machte den Abend noch etwas angenehmer. Als ich sie vorzeigte bekamen wir innerhalb einer Minute einen Tisch mit bestem Blick auf die Bühne. Außerdem bekamen wir auf Textilien und alles andere (außer alkoholische Getränke) 10% Discount. Schönes Ding!

Alles in allem war das dann noch ein sehr schöner Abend, die Liveband erwies sich als sehr gute australische Coverband und die Burger schmeckten sehr lecker. Leider mussten wir beide am nächsten Morgen wieder arbeiten, daher haben wir schweren Herzens gegen halb elf das Hardrock Cafe Dubai verlassen um die etwas 1,5 Stunden dauernde Heimfahrt nach Fujairah anzutreten.

Eins steht jedoch schon fest: es wird eine Wiederholung dieses Abends geben. Ob auch dann mit so guter Livemusik steht in den Sternen.

Insgesamt hatten wir also einen sehr schönen, teils extrem aufregenden, Tag, den wir in Teilen auf jeden Fall wiederholen wollen.

Bis bald…

01.01.2012

Frohes neues Jahr!

Ich wünsche euch ein frohes neues Jahr und dass ihr so gut reingekommen seid wie ich.

Auf ein erfolgreiches und vor allem gesundes neues Jahr.